Allgemeingültige Qualitätskriterien für Events
Der Leser möge den Gebrauch des antiquiert anmutendes Wortes „Gemüt“ verzeihen, aber der Ausdruck wirkt nur deshalb verstaubt, weil die moderne Marketingkommunikation - vom neopositivistischen Sprachstil geprägt - Wörter, wie „Seele“ oder „Gemüt“ in das Reich der Philosophie und Sozialwissenschaften verbannt hat. Ihre Daseinsberechtigung haben sie dadurch nicht verloren. Ganz im Gegenteil muß die Frage erlaubt sein, wodurch ein Mensch gerührt wird, wenn in der Definition des Deutschen Kommunikationsverbandes von emotionaler Aktivierung als der entscheidenden Komponente eines Events gesprochen wird.
Die Antwort lautet: ein Mensch ist dann in seinem Gemüt berührt – und damit wahrhaft emotional aktiviert - wenn er Sinn erfährt oder gegenwärtig lebt.
Nicht die modern praktizierte Selbsterfahrung im Sinne des grenzenlosen, hedonistischen Auslebens eigener Bedürfnisse eingeschlossen des passiven Unterhaltungskonsums verschafft dem Menschen Sinn, sondern die Ausrichtung seines Handelns auf andere. Der Mensch ist dann er selbst, wenn er sich selbst vergißt. Die eintägige Renovierung einer Wohnsiedlung mit Fassadenstreichen, Kinderspielplatzbauen und Bäumepflanzen durch Mitarbeiter eines Industrieunternehmens in Zusammenarbeit mit den Bewohnern aktiviert die Teilnehmer in weit stärkerem Maße als die übliche Sause zum Jahresende.
Sinnstiftende Taten sind aber nur eine Form, die Seelenlage eines Menschen zu verbessern. Die zweite Möglichkeit eröffnet sich durch die Welt der Beziehung. In der Beziehung zwischen Mensch und Mensch, zwischen Mensch und Natur und zwischen Mensch und geistigen Wesenheiten lebt der Mensch präsenzlos – und damit gegenwärtig. Events bieten vielfältige Möglichkeiten, Beziehung in diesem Sinn, zu ermöglichen: Die gemeinsame Kartoffelernte im rauhen Feld, die Schaffung eines Kunstwerks oder das Gespräch mit dem verehrten Menschen mögen als Beispiele dienen.
Die Unterhaltung soll in der Eventkultur nicht verteufelt werden – um wieviel stärker aber wirkt die Entspannung nach vorheriger Anspannnung – die Belohnung nach getaner Arbeit, das Zuhören nach dem anspruchsvollen Wort?
In diesem Sinne mag dieser Beitrag dazu animieren, Events auf eine Weise zu konzipieren, die bislang zwar nicht üblich ist, aber dafür im wahren Sinn des Wortes seine Teilnehmer „begeistert“.