Allgemeingültige Qualitätskriterien für Events
Events an den Verstand zu konzipieren, bedeutet das Denkvermögen anregen und fordern. Da jegliches Denken in der Sprache seinen Ausdruck findet, sollte mit dieser gearbeitet werden - nicht im Sinne des belanglosen Redens im Stil einer Talk Show, sondern im anspruchsvollen Kleid des Vortrags, des Symposiums oder der Podiumsdiskussion. Im Bereich der online-Kommunikation treten Chat- und Diskussionsforum hinzu. Der Erfolg eines Events, das mit diesem Instrumentarium arbeitet, wird davon abhängen, inwieweit es dem oder den Rednern gelingt, die Zielgruppe in das Nachdenken einzubeziehen. Dafür wiederum sind die folgenden Kriterien maßgeblich:
Die Wahl des Themas,
die Wahl des Redners/Diskutanten, des Moderators,
die inhaltliche Konzeption, Rhetorik und Sprachduktus
„Die Wahl des Themas“
Aus Erfahrung finden solche Themen den größten Anklang, die ein Sujet beleuchten, das der Zielgruppe aus ihrer beruflichen Tätigkeit bekannt ist, das sie aber noch nicht aus diesem Blickwinkel oder in dieser Verbindung bedacht hat. Der Technikvorstand eines Automobilkonzerns spricht vor Architekten über Parallelen im Fahrzeug- und Gebäudebau; der Inhaber eines internationalen Schreibgeräteunternehmens diskutiert mit einem Kunsthistoriker und Architekten über „Ästhetik in der Unternehmensführung“. Im Rahmen einer Messe böte sich eine Diskussion mit Experten über Sinn und Unsinn von Messeauftritten an.
Geeignet sind auch gesellschaftspolitische Themen, die sich im Schwange befinden – etwa 1999 die Strommarktliberalisierung oder 2000 die EG-Erweiterung. Entscheidend ist immer, daß die Zuhörer mitdenken und dadurch in ihrem Denken weiterkommen.
„Die Wahl des Redners“
Vortrag und Diskussion stehen und fallen mit der passenden Besetzung. Passend heißt nicht namhaft und teuer, sondern authentisch und der zielgruppengerecht. Ein Bettler, der über das Leben auf der Straße erzählt, wirkt glaubwürdiger als eine darüber sinnierende Soziologiekoryphäe. Mit Blick auf die Zielgruppe ist ein Redner auszuwählen, der eine der Zielgruppe verständliche Sprache spricht und Sympathie weckt.
In zweiter Linie ist auf Charisma, rhetorische Begabung und Zuverlässigkeit zu achten. Launische Zeitgenossen mit schwankender Tagesform sollten außen vor gelassen werden.
Bei virtuellen Events ist weniger das rhetorische, als vielmehr das literarische Talent maßgebend. Mögliche Schwächen in dieser Hinsicht können galant durch eine – für die Community unsichtbare - Zwischenschaltung eines begabten Schreibers kompensiert werden. Der Charm des virtuellen Forums liegt in der Zusammenführung von Diskutanten, die realiter nur mit einem immensen Aufwand zusammengebracht werden könnten - weil sie tausende von Kilometern voneinander entfernt leben oder terminlich extrem eingespannt sind. Im Internet kann der Nawahoo-Indinianer den Vorstandsvorsitzenden ebenso treffen, wie der Eskimo den Greenpeace Aktivisten.
Überraschung und Beifall erntet, wer einen ausgewiesenen Spezialisten über ein Thema sprechen läßt, das ihm keiner zurechnet, oder umgekehrt ein fachspezifisches Thema durch einen Spezialisten einer artfremden Fakultät beleuchten läßt. Beispiel: der Schachweltmeister Garry Kasparov diskutiert nicht über Schach, sondern die jüngsten Entwicklungen in Rußland; der Philosoph John Tipler spricht mit Maschinenbauingenieuren über künstliche Intelligenz.
Bei Podiumsdiskussionen ist neben einer kontrovers denkenden und damit Spannung versprechenden Besetzung der Redner auf einen Moderator zu achten, der sich auf dieses schwierige Handwerk versteht. Journalisten mit entsprechender Erfahrung sind in der Regel eine gute Wahl.
„Inhaltliche Konzeption, Rhetorik und Sprachduktus“
Vorträge sollten sowohl vom Sprachduktus, als auch der Rhetorik und insbesondere ihrer inhaltlichen Konzeption dialogisch auf die Zielgruppe ausgerichtet sein. Das Auditorium muß sich angesprochen fühlen – den Gedanken des Redners folgen können – und eigene Schlüsse entwickeln, die eventuell in einer anschließenden Diskussion freien Lauf finden. Zwingend ist die Diskussion nicht, obgleich sie sich als interaktives Instrument für den Aufbau eines Dialogs anbietet. Die Einbindung der Zielgruppe kann aber ebensogut im Vortrag selbst erfolgen, durch eine Syntax, die auf die Zielgruppe eingeht – sei es mit rhetorischen oder echten Fragen.
Im Bereich der virtuellen Events sollten die Chat- und Diskussionsforenbeiträge ins Englische übersetzt werden, sofern der Auftraggeber in diesem Sprachraum agiert.