Allgemeingültige Qualitätskriterien für Events

admin » 20 Mai 2009 » In Artikel »


Die emotionale Aktivierung der Eventteilnehmer oder auch deren „Involvement“ in das Eventgeschehen ist der Hauptgrund für das Vorpreschen von Events in der Unternehmenskommunikation. Frei nach der Sentenz „Tell me – I will forget, Show me – I might remember, Involve me – and I´ll keep it forever“, predigen Eventagenturen den Einsatz ihrer Produkte. Auch der Deutsche Kommunikationsverband versteht unter Events nur solche Ereignisse, die einen starken Aktivierungsprozess auslösen.
Daran ist - psychologisch beweisbar – unstrittig, daß eine Botschaft, die ans Herz rührt, länger im Gedächtnis bleibt, als eine Botschaft, die emotionslos zur Kenntnis genommen wird. Einem folgenschweren Irrtum erliegen aber alle, die meinen, die Aktivierung lasse sich ausschließlich über „emotionale und physische Reize“ erreichen - zumal, wenn sich die physischen Reize, wie in 99% der Fälle, nur an Augen und Ohren wenden.

Das Ergebnis eines solchen Verständnisses sind Events, welche die Teilnehmer mit Licht- und Tonsequenzen bombadieren, um auf diese Weise die vermeintliche Intensität der Eindrücke zu steigern. Im Fahrwasser der technischen Superlative schwimmen prominente Künstler mit, deren Erscheinen auf Events ab einer gewissen Größenordnung zur Pflicht geworden scheint. Im Rausch des Aberglaubens an die angeblich immense Wirkung solcher „Megaevents“, geschieht es nicht selten, daß sich Großunternehmen von findigen Eventagenturen mehrere Millionen Mark für die Ausrichtung eines technik-und prominentenstrotzenden Szenarios abnehmen lassen. Einschlägige Branchenmedien beweihräuchern die Werke als zukunftsweisende Eventkultur - als ob die Ideenlosigkeit bei der Eventgestaltung durch den überproportionalen Einsatz von Technik und namhaften Künstlern kompensiert werden könne.
Die Quantitätsmanie hat längst auch die Messen erreicht. Der Denkschluß liegt nahe: die Präsentation eines neuen Produkts verlangt nach der aktuellen Technik. Dabei gilt: je mehr, desto besser.

Der Mensch hat aber nur zwei Ohren, zwei Augen, einen Mund und eine Nase. Letztere hat im audiovisuellen Multi-Media Zeitalter offenbar ebenso ihre Daseinsberechtigung verloren, wie der Tastsinn. Jedenfalls sind Events, die diese beiden Sinne intelligent ansprechen, so rar, wie die Stecknadel im Heuhaufen. Das ist um so unverständlicher, als gerade sie die stärksten Aktivierungsprozesse im Menschen auslösen – und damit weitaus bleibendere Eindrücke hinterlassen könnten, als die aufwendigsten Shows und Spektakel.
Wer vergäße je den salzigen Geruch des Meeres – den süßlichen Harz im dampfenden, regennassen Wald oder den festen Händedruck eines entschlossenen Menschen?

Die einseitige Interpretation der physischen und emotionalen Reize durch Hören und Sehen sowie die Vernachlässigung des Geruchs- und Tastsinns bildet aber bloß den Nebenschauplatz unserer Kritik an modernen Events. Denn selbst, wenn ein Event alle Sinne anspräche, entbehrte es noch immer des wichtigsten aktivierenden Moments: Der eigentliche Irrtum, dem die Definition des Deutschen Kommunikationsverbandes unterliegt, besteht in der Nicht-Erwähnung der Aktivierung durch psychische Reize – sei es durch Ansprache des Gemüts oder des Verstandes.

Die Ursache dieses Versäumnisses mag in unserer von Unterhaltung und Sport dominierten Gesellschaft zu finden sein, in der die Suche nach geistiger Herausforderung ebenso auf der Strecke bleibt, wie die Suche nach Sinn. Jeder, der in sich geht, wird aber bestätigen, daß geistige Ruhe und seelisches Gleichgewicht für das Wohlbefinden eines Menschen weit bedeutender sind, als kurzfristig währende, körperliche Befriedigung.

Der ethymologische Ursprung des Wortes „begeistern“ ist unschwer auszumachen: Nicht Körper und Sinne sind angesprochen, wenn sich ein Mensch „begeistert“, sondern sein Geist.
Die Eventindustrie schläft. Zumindest erweckt die Analyse publizierter Events nicht den Eindruck, als ob der Zunft der Philosophen, Literaten und Theologen Konkurrenz gemacht werden solle. Offensichtlich fällt es der Branche schwer, eine Brücke zwischen Theorie und Praxis zu schlagen; das mag am soziologischen Phänomen des Cocoonings oder an mangelnder Bemühung zum tiefen Nach- und synthetischen Querdenken liegen. Beide Fähigkeiten werden in einer Zeit, die auf Geschwindigkeit, statt Qualität setzt, nicht gefördert.

Nach der Kritik, die weder entmutigen, noch überheblich wirken, sondern sensibilisieren möchte, nun der Versuch eines konstruktiven Ansatzes, der „begeisternde“ Events zeitigt:

Pages: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

Tags: , , , , , , , , , , , ,

Trackback URL

No Comments on "Allgemeingültige Qualitätskriterien für Events"
Hi Stranger, leave a comment:

ALLOWED XHTML TAGS:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Subscribe to Comments